Denk mal

1. Oktober 2011, 10:25 Uhr (perm. Link, TrackBack)

Ich saß im Zug Richtung Leipzig, um auf halbem Weg dorthin auszusteigen und eines der kontroversesten Denkmäler Deutschlands zu erkunden, das Hermannsdenkmal. Jede Strömung interpretiert(e) es nach eigener Fasson, ich wollte es einfach mal auf mich wirken lassen und war gespannt.

Im Osten ging die Sonne auf, Flo Mega soulte in meinem Ohr, es herrschte feinstes Sommerwetter und der Tag der deutschen Einheit nahte. Seit der W- und EM im Fußball sind nationale Gefühle nicht mehr in Personalunion auch nationalsozialistische. Das ist schön, aber auch mit der Verantwortung verbunden in der Mitte zu bleiben und nicht wieder in das eine oder andere Extrem abzurutschen.

Detmold

Wie dem auch sei. Meine Tour startet in Detmold am Bahnhof, von wo ich ein wenig durch die Stadt geeiert bin, teils, weil ich mir auch die Innenstadt anschauen wollte, aber auch, weil die Beschilderung in Richtung Hermannsdenkmal eher mäßig war.

Zum Glück ist das Brompton ein echter Kommunikationskatalysator (wahrscheinlich mag ich es auch deswegen) und ich fand schnell Mitmenschen, die mir wenigstens versuchten zu helfen. Leider waren sie nicht sehr ortskundig, weshalb sie mich leider auf den sehr steilen Wanderweg lotsten. Da musste ich mit dem Brompton doch teilweise aufgeben, da hier teilweise Untersetzung und ein Mountain Bike notwendig gewesen wäre. Die unten verlinkte Route ist deswegen anders gewählt, als meine!

Hermannsdenkmal

Oben angekommen war ich einer der wenigen Radler, der das eher schlichte Denkmal besichtigte. Und da ist es wieder, das Gefühl, das mir als Deutschem seit der 5. Klasse in jeder erdenklichen Schulstunde von der Kriegskindergeneration der Lehrerschaft eingetrichtert wurde: Alles nationale, alles deutsche, alles wo nur ein Hauch Nazi-Scheiß dranhängt ist des Verdammens würdig. Mich beschleicht das klamme Gefühl, das ich mir mühseelig abtrainiert habe wieder, aber nur ein wenig.

Ich habe auf dem Weg her die Wikipedia-Seite zum Denkmal durchgelesen und war ein wenig vorbereitet. Ein Denkmal, denk mal! Wie die Bibel, Gesetze oder Kunstwerke sind nicht sie ein Stein eines Anstoßes, sondern die Interpretationen der verschiedenen Nutznießergruppen. Wer sich den Artikel einmal durchliest, merkt schnell, wie heterogen die Gruppen bei diesem Denkmal sind.

Mein persönliches Fazit spare ich mir hier, außer der Anmerkung: Reisen bildet und jeder wird beim gleichen Ansinnen sein persönliche Wahrheit finden, denn darum geht es.

Externsteine

Auf der Wikipedia-Seite zum Denkmal las ich von den Externsteinen und dank Handy und OpenCycleMap war der Weg dahin schnell gefunden und auch relativ zügig geradelt. Erinnerungen an die Bastei in Rathen kam nicht nur mir, sondern auch dem älteren Ehepaar, dass neben mir auf dem Aussichtspunkt in die Ferne blickte.

Auch wenn dieser Punkt nicht gänzlich nazifrei ist, hier hatte ich eher das Mittelaltergefühl, dass ich schon damals als kleiner Junge bei der ersten Ritterburg hatte.

Rückweg

Von den Externsteinen aus ist es nur ziemlich kurz bis zum nächsten Bahnhof Horn-Bad Meinberg zu fahren, so dass ich ziemlich schnell wieder im Zug gen Heimat saß. Beim vorhandenen Bahnchaos (ein Selbstmörder wollte sich im Dortmunder Bhf. von einer Brücke stürzen) sah ich ziemlich viele gestrandete Radfahrer mit normalgroßen Rädern, die leider nicht wie ich, in den ICE durften. Zum einen freute mich, dass ich es mit dem Brompton durfte, zum anderen regt mich aber die Einstellung der Bahn zur Mobilität ein wenig auf.

Insgesamt war es ein grandioser Tag, den ich jedem empfehlen kann. Sonne, Geschichte, Bewegung.

Hier die oben versprochene, verbesserte Route bei Bikemap. Distanz: 24,6 km, Höhenmeter: ca. 400 m.

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Parkverbot

29. September 2011, 7:10 Uhr (perm. Link, TrackBack)

Ich hab’s wirklich erst gesehen, als ich im Café saß…

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Brompton LD6

17. September 2011, 16:04 Uhr (perm. Link, TrackBack)

Da ich immer öfter beruflich mit der Bahn unterwegs bin und dann vor Ort auch gerne mit dem Rad mobil sein wollte, stand nach einigem hin- und herüberlegen fest: Ich wollte ein Brompton. Ein was? fragt sich der fahrradunbegeisterte Leser nun. Das Brompton ist das Faltrad schlechthin, es existiert immerhin schon seit 30 Jahren.

Die Entscheidung

Die größten Konkurrenten im Entscheidungsfindungsprozess waren für mich das Birdy von Riese und Müller, ein Strida oder die kleinen Dahons.

Brompton
+ Einfacher und schneller Faltmechanismus
+ klein faltbar
+ StVO konform mit Nabendynamolicht
+ 6 Gänge
+ Fahrverhalten wie bei großen Fahrrädern
o einfach gefedert
o Gepäck nur per Fronttasche oder auf dem Gepäckträger, Taschen an der Seite fallen, wegen den Pedaldrehungen aus.
- teuer (ca. 1200€)

Birdy
+ relativ klein faltbar (knapp über dem Brompton)
+ doppelt gefedert
+ 24 Gänge
o Nabendynamo treibt nur das vordere Licht (nicht StVO-konform)
o komplizierterer Faltmechnismus
- sehr teurer (ab ca. 1700€)

Strida
+ einfacher und schneller Klappmechnismus
+ noch auffälliger als ein Brompton
- kein Dynamolicht erhältlich
- maximal 2 Gänge
- sehr gewöhnungsbedürftiges Fahrverhalten
- teuer (ca. 1200€)

Dahon
+ relativ günstig (ab ca. 600€)
o Nabendynamo treibt nur das vordere Licht (nicht StVO-konform)
o aufwändiger Klappmechnismus
- großes Packmaß

Das sind meine persönlichen Pros und Contras, die mich nach reiflicher Überlegung zu meinem Brompton brachten. Gekauft habe ich es bei Marine Sales, da hier der günstigste Preis aufgerufen wurde und der telefonische Kontakt wirklich super war.

Falten

1. So klein ist es am Anfang; zum Vergleich: Die Räder haben einen Durchmesser von 41 cm (16 Zoll).

2. Lenker ausklappen und Sattel herausziehen.

3. Vorderrad und Hinterrad in einer eleganten Bewegung ausklappen. Vorne rechts seht ihr die dazugehörende Tasche von Ortlieb, in die nicht das Rad hineinkommt, sondern die vorne angeklickt wird.

Erfahrungswerte / Umbauten

Der Lenker (Typ P), den ich gewählt habe, erlaubt eine hohe und tiefe Griffposition, was mir fürs Schnellfahren wichtig erschien. Dafür kann ich nicht mal eben andere Griffe montieren. Genutzt habe ich die Rennradposition noch nicht allzu oft.

Die Beleuchtung war mit einem Front-Halogen-Scheinwerfer und einem – von Brompton selbst entworfenem – LED-Rücklicht nicht so der Kracher. Nach kurzer Zeit war die Standlichtfunktion des Rücklichtes ausgefallen (gebrochene Lötstelle) und das Front-Halogenlicht hat im Vergleich zur LED-Technik an meinem anderen Rad einfach nichts zu melden. Außerdem vermisste ich das Standlicht vorne im Stadtverkehr schon.

Deswegen habe ich vorne ein Busch & Müller Lyt senso plus und hinten einen Busch & Müller TOPLIGHT Line plus montiert, was mit vertretbarem Aufwand schnell erledigt war.

Als Bereifung würde ich auf jeden Fall die Schwalbe Marathon Plus nehmen, auch wenn es von Brompton kevlarverstärkte gibt, die taugen nicht so viel. Nach dem ersten Loch habe ich gewechselt.

Da die Reifen so klein sind, habe ich der passiven Sicherheit halber noch zusätzliche Reflektoren von 3M an den Speichen angebracht, die überdies StVO-konform sind.

Als Fronttasche habe ich den O-Bag von Ortlieb gekauft, da ich von den Ortlieb-Taschen einfach überzeugt bin. Das Ding ist wirklich durchdacht, was beim innendrin anklipsbaren Schlüsselbund anfängt, über den Notebook-Einschub weiter geht und bei den hinten zusätzlich anbringbaren Zusatztaschen aufhört. Die nutze ich, um bei Bedarf Fahrradschloß und/oder Regenzeug einzupacken.

In Parkposition mit angeklickter Tasche

Fahrverhalten

Der Riesenvorteil am Brompton ist, dass es sich fast wie ein normales Fahrrad fährt. Der Radstand ist meinem großen nicht unähnlich, die Bremsen packen kraftvoll zu (auch wenn sie natürlich doppelt so schnell verschleißen) und die Beschleunigung ist dank 6 Gängen sehr beeindruckend. Das Licht geht seit dem Umbau auf den Bumm Lyt automatisch an, wenn es zu dunkel ist und leuchtet die Fahrbahn schön hell aus.

Einziges Manko aktuell ist der nur mit Moosgummi bezogene Lenker, der mir bei längeren Fahrten ein wenig zu unergonomisch ist. Ich bin verwöhnt von den Ergons, die ich am anderen Rad fahre. Aber vielleicht bekomme ich die ja auch an den Lenker dran.

Alltag

Seit das Brompton bei mir im Flur steht fahre ich öfter Rad. So schnell, wie ich das zur Hand und draußen ausgefaltet habe, ist es einfach einfacher es zu benutzen. Egal ob Bus oder Bahn, im Bedarfsfall falte ich es schnell an der Haltestelle zusammen. Dadurch kombiniere ich Rad und ÖPNV ziemlich virtuos und ohne große Anstrengung oder Irritation. Im IC oder ICE kette ich es meist in der Nähe des Eingangs fest und suche mir in Ruhe einen Platz. Einfach einfach.

Was ich natürlich nicht verschweigen will: Mit dem Brompton bin ich schon ein Hingucker. Sei es, dass jemand ein Foto von mir und dem Rad machen will oder die Leute mehr oder weniger hinter vorgehaltener Hand über „das Klapprad“ reden. Meist ist es unverholene Freude, über „das tolle Fahrrad“, die mir entgegen- oder hinterhergerufen wird. Wobei die Kinder es am ehesten lustig finden, dass ich als Erwachsener noch auf einem „Kinderrad“ unterwegs bin.

Fazit

Ich mag mein Brompton :-)

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Liebe deinen Stadtteil

10. August 2011, 8:00 Uhr (perm. Link, TrackBack)

Na, wenn die Mülheimer es einem so einfach machen… :-)

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Nötigung ist in Ordnung

22. Juni 2011, 7:53 Uhr (perm. Link, TrackBack)

Gestern fuhr ich vom Ebertplatz aus die Neusser Straße entlang und hielt ordnungsgemäß an der roten Ampel über die Innere Kanalstraße. Den ausschließlichen Fußgängerüberweg nutzte ich nicht (zu dem ich sowieso nur über den Gehweg durch überfahren der roten Ampel gelangt wäre) und fuhr danach auch nicht im Rechtsabbieger auf den Anfang des angeblich benutzungspflichtigen Radweges (Streetview) sondern blieb auf der Fahrbahn.

Nach ca. 100m hupt es mehrmals neben mir und ein grüner VW Sharan (Kennzeichen bekannt) überholt mich so dicht, dass ich durch das offene Fenster hätte greifen können. Die geschrienen Wörter des Fahrers verstehe ich leider nicht. An der nächsten Ampel habe ich ihn natürlich wieder ein und gebe ihm Zeichen, das Fenster herunterzukurbeln, um ein klärendes Gespräch zu führen. Als er außer weiteren Beschimpfungen nur noch zu erkennen gibt, dass er die Polizei holen will, setze ich mich vor das Auto und mache ein Foto von Kennzeichen und Personen.

Des Autofahrers Glück ist eine vorbeifahrende Streife, die er wild gestikulierend anhält. Während der Wagen wendet beschimpfen er und seine Frau mich wild (Arsch! usw.) und als die beiden Damen von der Polizei aussteigen hat er sich noch immer nicht einbekommen. Die braunhaarige der beiden pflaumt ihn dann sogleich an, was das denn hier solle und dass er doch mal runterkommen sollte.

Er wollte mir doch nur sagen, dass ich falsch fahre! Ich muss schließlich auf den Radweg, deswegen hat er mich angehupt. Ich sage, dass er mich genötigt hat, indem er mich wiederholt angehupt hat und sehr knapp überholt hat. Es wäre ja nun nichts passiert und wir haben ja nun beide Schuld, da muss sie nun mit uns mal reden, wie im Kindergarten! Wir sollten uns die Hand geben und gut wäre es. Schließlich werden sonstwo in Köln Menschen verletzt und die Lappalie hier hält sie nur auf.

Finden Sie das in Ordnung, dass der Herr mich anhupt und abdrängt?

Frage ich die braunhaarige. Ich hätte schließlich auf dem Radweg zu fahren und außerdem…

Finden Sie das in Ordnung, dass der Herr mich anhupt und abdrängt?

frage ich noch einmal. Und so langsam geht ihr auf, dass es anscheinend nicht in Ordnung ist. Aber der Polizisten Allzweckwaffe in solchen Fällen kommt auf dem Fuße: „Ich bin ja auch Radfahrerin!“ Belässt es aber dann bei einer Verwarnung, dass man nicht innerorts hupt und nur dann überholen darf, wenn genug Platz vorhanden ist. Apropos: Überholabstand, da reicht es aus, dass man das andere Fahrzeug nicht behindert.

So langsam hole ich ein wenig mit Regelwerk aus, was die Standardreaktion Nummer 2 zu Tage fördert: „Das haben sie aber toll auswendig gelernt!“ Schön, dass die deutschen Ordnungshüter so selbstsicher sind.

Wir sollten uns dann schnell das Pfötchen drauf geben und weiterfahren, so dass wir uns nicht noch an die Gurgel gehen. Sprach’s und verschwand im vorbildlich abgestellten blau-grauen Blechkasten.

Achtung! Mein Fazitteil enthält Sarkasmus und ist bewusst überzeichnet!

Fazit 1:

Eine Unfallaufnahme läuft in dem Schema ab:

  1. Schuld auf alle aufteilen, wenn niemand verletzt ist.
  2. Alle behandeln wie kleine Kinder, um klarzustellen, dass nichts passiert ist, was geregelt werden muss.
  3. Berechtigte Kritik mit Autorität abkanzeln.
  4. Weiter fahren.

Fazit 2:

Nötigungen von Autofahrern an Fahrradfahrern sind in Ordnung und werden polizeilich geduldet. (Ein Bekannter von mir ist sogar von einem Autofahrer ins Gesicht geschlagen worden und der gab es vor der auch Polizei zu. Verfahren wegen mangelnden öffentlichen Interesses eingestellt.)

Fazit 3:

Man muss einen Radweg auch dann benutzen, wenn man anhalten muss, um den Bordstein hochzukommen. Selbst auf einer so stark befahrenen Straße, wie der Neusser. (Sagt jedenfalls die braunhaarige)

Fazit 4:

Polizeifahrzeuge dürfen auf Radwegen parken, um die Benutzungspflicht aufzuheben.

Fazit 5:

Ich fahre einfach wie ich will. Im Notfall nötige ich ab sofort Autofahrer, die mich schneiden oder sich nicht an die StVO handeln. Es ist wohl erlaubt.

Fazit 6:

Mein Glaube an gerechte und kompetente Ordnungshüter ist hiermit endgültig niedergeschlagen. Ab sofort lege ich mir einen Verkehrsrechtschutz zu und werden auch zum Querulanten, um dann oft die geliebte Post zu bekommen: Verfahren wegen mangelnden öffentlichen Interesses eingestellt.

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Park

18. Mai 2011, 7:50 Uhr (perm. Link, TrackBack)

Glück ist, wenn man auf dem Weg zum Geschäftstermin mit dem Rad unterwegs ist und noch eben Zeit hat, um ein paar Minuten im Park in der Sonne zu sitzen.

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Critical Mass 11.04

1. Mai 2011, 8:05 Uhr (perm. Link, TrackBack)

Wurden wir beim letzten Mal noch von der Rennleitung beobachtet und begleitet, so war es diesen Freitag anders. Es waren ein wenig weniger Mitfahrer als beim letzten Mal, aber das kann an dem kurz zuvor herunter gekommenen Gewitter gelegen haben. Wir waren kein Hindernis, die Polizei wusste vom letzten Mal Bescheid und so fuhren wir friedlich und ohne Begleitung durch Köln.

Insgesamt war es ein voller Erfolg, wir fuhren StVO-konform als Verband durch die Stadt und nur ein paar wenige Autofahrer waren irritiert. Gegenseitige Rücksichtnahme und Besonnenheit machte es möglich, dass 50 Radfahrer flüssig und schnell durch Köln zur Eisdiele des Vertrauens fuhren.

Immer wieder bekamen wir Zuspruch von Kölner Bürgern, die uns vom Bürgersteig aus zuwinkten. Rad fahren macht wohl doch sexy!

Danke an alle, die dabei waren. So soll es weiter gehen. Bis zum 27.05.11 :-)

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